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Rundgang durch die Sammlung historischer Geräte aus dem Grazer „Psychologischen Laboratorium von Alexius Meinong

1. Zeitsinnapparat

Dieser Apparat ermöglichte die exakte Darbietung von optischen und akustischen Reizen. Das Gerät wurde durch Schnurübertragung von einem Motor mit konstanter Umlaufgeschwindigkeit (z.B. vom elektromagnetischen Rotationsapparat nach Helmholtz) angetrieben. Ein rotierender doppelarmiger Hebel trägt an seinen Enden je eine Kupferfeder, die bei Berührung der (verstellbaren) elektrischen Kontakte an der Peripherie des darunter liegenden Messingringes einen Strom öffnen oder schließen konnte. Auf diese Weise ließen sich Zeitintervalle in einem Genauigkeitsbereich von 1 ms herstellen. Das Gerät wurde auch als Kontrollapparat für das Hippsche Chronoskop verwendet. Benussi (1913) setzte den Zeitsinnapparat im Rahmen seiner Experimente zur „Zeitauffassung“ ein.

  • Benussi,V. (1913). Psychologie der Zeitauffassung. Heidelberg: Winter.

2. Rotationsapparat

Dieser Elektromotor eignet sich besonders gut zum Antrieb von Apparaten, die eine gleichbleibende Umdrehungsgeschwindigkeit erfordern. Zur Konstanthaltung der Umdrehungsgeschwindigkeit besitzt ist der Motor mit einer integrierten Regulationsvorrichtung ausgestattet, die nach dem Prinzip eines Zentrifugalkraftreglers funktioniert. Der Rotationsapparat wurde u.a. zum Antrieb des Schumannschen Zeitsinnapparats verwendet.

3. Stroboskop (nach Benussi)

Benussi merkt an (1912, S. 44), dass sein Stroboskop „im wesentlichen dem Wundtschen nachgebildet ist“ (siehe Wundt, 1910, Bd. 2, Fig. 298, S. 623). Der drehbare Teil besteht aus acht Speichen, die in gleichen Winkelabständen angeordnet sind. Bei den Speichen handelt es sich um zwei ineinander verschiebbare und mit Schrauben fixierbare Messingröhren. Am Ende jeder Speiche befindet sich eine Klemmvorrichtung, die einen Aluminiumrahmen trägt. In den Aluminiumrahmen werden aus Karton angefertigte „Bildblätter“ eingeschoben. Die Bildblätter zeigen die der Müller-Lyerschen Figur entnommenen „Phasenbilder“.

Zur stroboskopischen Darbietung der Bildblätter wurden die Speichen durch einen Elektromotor über einen Schnurlauf in Rotation versetzt. Mit Hilfe eines Mattglases wurde eine gleichmäßige Beleuchtung der rotierenden Bildblätter erreicht. Eine Hilfsvorrichtung („Schleiffedern“ und ein „Markiermagnet“) garantierte eine möglichst konstante Umdrehungsgeschwindigkeit (2 Sekunden für eine Umdrehung).

  • Benussi, V. (1912). Stroboskopische Scheinbewegungen und geometrisch-optische Gestalttäuschungen. Archiv für die Gesamte Psychologie24, 31-62.
  • Wundt, W. (1910). Grundzüge der Physiologischen Psychologie, 2. Bd. (6., umgearbeitete Aufl.). Leipzig: Engelmann.

4. Spiegelhaploskop (nach Hering)

Beim Spiegelhaploskop nach Hering handelt es sich im Wesentlichen um ein Stereoskop ohne Prismen und Linsen, mit dem zwei Figuren dem linken und dem rechten Auge getrennt dargeboten werden können. Durch Veränderung der Einfallswinkel lassen sich die Netzhautbilder der beiden Augen zur Deckung bringen. Üblicherweise wurden Haploskope in Experimenten zur Tiefenlokalisation eingesetzt. Benussi (1902, vierte Versuchsreihe) verwendete das Haploskop zur Untersuchung der Frage, ob die Zöllnersche Täuschung eine Wahrnehmungs- oder eine Produktionstäuschung sei.

  • Benussi, V. (1902). Ueber den Einfluß der Farbe auf die Größe der Zöllner´schen Täuschung. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane29, 264-433.

5. Spiegelstereoskop nach Wheatstone

Das Stereoskop wurde – wie die Signatur ausweist -. von dem um 1900 in Wien lebenden Konstrukteur W. J. Hauk hergestellt. Es wurde im Wesentlichen dem bereits 1833 von Wheatstone erfundenen Stereoskop nachgebaut (siehe Huber, Dorfer & Hohenester, 1994). Das Gerät ruht auf einem Messing-Gusseisenstativ. Hinter der mit einem Nasenausschnitt und zwei Augenöffnungen versehenen Holzplatte befinden sich zwei rechtwinkelig zueinander geneigte und nach außen gerichtete Planspiegel. Die Stereoskopbilder (hier eine geometerische Figur) sind links und rechts außen auf einer verschiebbaren Holzleiste angebracht. Von diesen beiden Bildern entstehen virtuelle Spiegelbilder, die sich überlagern, die aber nur von dem jeweils zugehörigen Auge gesehen werden können.

  • Wundt (1910, S. 682) würdigte die Erfindung des Stereoskops durch Weathstone als „einen der bedeutendsten Fortschritte in der Erkenntnis der Bedingungen des räumlichen Sehens“.

6. Intervallapparat (nach C. Stumpf)

Der nach Carl Stumpf im „akustischen Institut“ in Hanau a. M. von Anton Appunn hergestellte Intervallapparat besteht aus 32 Metallzungen, die durch einen Blasebalg, der sich unter dem Deckel des Geräts befindet, in Schwingungen versetzt werden können. Durch Herausziehen eines Knopfes wird das entsprechende Ventil geöffnet und der durch den Blasebalg erzeugte Luftstrom streicht über die dem jeweiligen Ventil zugeordnete Metallzunge, wodurch diese in Schwingungen versetzt wird und einen Ton erzeugt.

7. Rotierender Spiegel mit Gasflammenmanometer

Das Gasflammenmanometer besteht im Wesentlichen aus einer manometrischen Kapsel (ähnlichen einem Marey´schen Tambour) und einem Brenner. Die Kapsel wird durch eine feine Membran in zwei Hälften geteilt. Das Brenngas wird durch einen Schlauch in die hintere Hälfte der Kapsel und von dort weiter an die Spitze des Brenners geleitet, wo es entzündet wird. Verbindet man nun die andere Hälfte der Kapsel über einen Gummischlauch mit einem Schalltrichter (hier nicht abgebildet), dann wird die in der Kapsel befindliche Membran in Schwingungen versetzt. Diese übertragen sich auf das an der anderen Seite der Kapsel vorbeiströmende Gas und werden in Form von Zuckungen der Flamme sichtbar (siehe Huber, Dorfer & Hohenester, 1994). Betrachtet man die zuckende Flamme im rotierenden Spiegel, so erhält man ein stehendes Bild („Flammenbild“) des jeweiligen Tons. Zur Auswertung wurde das Flammenbild fotografiert.

  • Huber, H. P., Dorfer,A. J. & Hohenester, A. (1994). Das erste „Experimentalpsychologische Labor“ in Österreich – die Anfänge der apparativen Psychologie. Graz: Universitätsbibliothek der Karl-Franzens-Universität Graz.

8. Gedächtnisapparat nach Wirth (Modell 2)

Während das Modell 1 des Wirthschen Gedächtnisapparats mit einer Scheibe ausgestattet ist, auf der die einzuprägenden „sinnlosen“ Silben dargeboten wurden, verfügt das Modell 2 über eine rotierende Trommel, auf die ein Papierstreifen (beliebiger Länge) gespannt werden konnte. Der Papiervorschub erfolgt ruckweise (wahlweise in Intervallen zwischen 0,3 und 3,0 Sekunden. An der Trommel, die einen Durchmesser von 8 cm aufweist, ist ein „Steuerrad“ angebracht, in dessen Stifte die Anker zweier Elektromagnete greifen. Die Anker können durch eine Stromunterbrechungsvorrichtung, die z.B. von einem Metronom gesteuert wird, angehoben oder abgesenkt werden. Die Lösung eines Ankers bewirkt einen Papiervorschub um ca. 8 mm. Die Rotation der Trommel wird durch ein Gewicht bewirkt. Der Wirthsche Gedächtnisapparat eignet sich besonders für Experimente, in denen die „Treffermethode“ (Müller & Pilzecker, 1900; siehe auch Wundt, 1911, S. 568f.) zum Einsatz kam. Verwendet man zur Steuerung des Papiervorschubs anstelle eines Metronoms den Zeitsinnapparat nach Schuhmann, dann kann das Modell 2 des Wirthschen Gedächtnisapparats auch für Leseversuche verwendet werden.

Am Grazer „Psychologischen Laboratorium“ führte vor allem Auguste Fischer (1876-1958) zahlreiche Experimente mit dem Wirthschen Gedächtnisapparat durch.

  • Fischer, A. (1908). Über Reproduzieren und Wiedererkennen bei Gedächtnisversuchen. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, 50, 62-92.
  • Fischer, A. (1912). Neue Versuche über Reproduzieren und Wiedererkennen. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, 62, 161-217.
  • Fischer, A. (1915). Weitere Versuche über das Wiedererkennen. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, 72, 321-372.
  • Müller, G. E. & Pilzecker, A. (1900). Experimentelle Beiträge zur Lehre vom Gedächtnis. Zeitschrift für Psychologie und Physiologie der Sinnesorgane, Ergänzungsband 1, 1-300.
  • Wundt, W. (1911). Grundzüge der physiologischen Psychologie, 3. Bd. (6., umgearbeitete Aufl.). Leipzig: Engelmann.

9. Chronoskop nach Hipp

Das Chronoskop nach Hipp erlaubt Zeitmessungen, die eine Genauigkeit von 1/1000 s erreichen. Es hat eine Laufzeit von 1 Minute. Das Uhrwerk in der Glaskuppel wird durch ein Gewicht aus Messing getrieben. Über die vier Anschlussklemmen aus Messing (auf der Fußplatte des Holzgestells) konnte das Zeigerwerk elektromagnetisch aus- oder eingeschaltet werden. Die Wahl der Schaltung hing davon ab, ob das angeschlossene Reiz- und Reaktionsinstrument für eine Öffnung oder eine Schießung eines Kontaktes eingerichtet war. Im Falle einer Öffnung drehen sich die Zeiger solange ein Strom fließt; im Falle einer Schließung drehen sie sich nur, wenn der Strom unterbrochen ist (siehe Rupp, 1908, S. 5). Das Hippsche Chronoskop wurde in der Regel zur Messung von Reaktionszeiten in „Reaktionsversuchen“ mit unterschiedlicher Zielsetzung eingesetzt, beispielsweise zur experimentellen Untersuchung von Willensvorgängen (siehe Wundt (1897, S. 231; Wundt, 1911, S. 359) oder als „Hilfsmittel zur Messung der „Geschwindigkeit gewisser psychischer und psycho-physischer Vorgänge“ (Wundt, 1897, S. 232).

  • Rupp, H. (Hrsg.). (1908). Apparate für psychologische Untersuchungen, Preisliste XXI. Göttingen: Spindler & Hoyer.
  • Wundt, W. (1897). Grundriss der Psychologie (2. Aufl.). Leipzig: Engelmann.
  • Wundt, W. (1911). Grundzüge der Physiologischen Psychologie, Bd. 3 (6., umgearbeitete Aufl.). Leipzig: Engelmann.

10. Kymographen

Zur Aufzeichnung von Biosignalen (z.B. der Atmung oder der Pulsfrequenz) wurden Kymographen eingesetzt. Ein damals gängiges Modell war der „Registrierapparat nach Zuntz. Er verfügt über ein Uhrwerk mit drei auswechselbaren, verschieden großen Windflügeln zur Geschwindigkeitsregulation. Durch Aufstecken der Windflügel erreicht man Trommelgeschwindigkeiten zwischen 0.2 und 40 mm/s. Das Kymographion besitzt ferner unterhalb der Trommel, die eine Höhe von 180 mm und einen Umfang von 500 mm aufweist, eine Friktionsscheibe. Das hinter dem Uhrwerk angebrachte Senkungsstativ bewirkt, dass sich die daran befestigten Schreiber pro Trommeltour um ca. 2.5 cm absenken. Auf diese Weise kann die gesamte Trommel fortlaufend spiralförmig beschrieben werden.

Das ebenfalls von der Fa. Zimmermann hergestellte „Universal-Kymographion“ weist gegenüber dem Zuntzschen Registrierapparat insofern eine wesentliche Verbesserung auf, als das Windflügelsystem durch einen Foucaultschen Zentrifugalregulator ersetzt wurde. Diese Regulationsvorrichtung, die auch über Friktionsrollen und die Möglichkeit einer Radversetzung verfügt, gestattet die Wahl variabler Umdrehungszeiten im Bereich von 2 Sekunden bis 1.5 Stunden.

Um eine ebene Schreibfläche auf einem berußten Streifen zu erhalten, musste eine Hering´sche Schleife verwendet werden (siehe unten).

  • Heringsche Schleife (Katalog der Fa. Zimmermann, Leipzig)
  • Zimmermann, E. (1937). Wissenschaftliche Apparate. Liste 200. Leipzig: Autor.

11. Berußgestell

Die Berußung der Trommelbezüge wurde mit einem Gas- oder Petroleumbrenner vorgenommen. Nach erfolgter Registrierung musste die Rußschreibung fixiert werden.

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