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Donnerstag, 19.05.2022, Forschen, Naturwissenschaften, Universität

Leidet die Psyche, können auch die Sinne ins Stocken geraten. Wie Riechen und psychisches Befinden zusammenhängen

Carina Schlintl ist Klinische Psychologin. In ihrer Dissertation, die sie kürzlichen abgeschlossen hat, erforschte sie unter anderem, wie sich Depressionen auf den Geruchssinn auswirken. Außerdem ist sie die erste Absolventin der Uni Graz, die zugleich den berufsbegleitenden Universitätskurs „Klinische Psychologie“ und das Doktoratsstudium in ihrem Fachgebiet abgeschlossen hat.

 

In Ihrer Dissertation haben Sie besonderes Augenmerk auf den Geruchssinn gelegt. Warum?
Carina Schlintl: Riechen wird von manchen im Vergleich zu Hören und Sehen vielleicht als „weniger wichtig“ wahrgenommen. Tatsächlich beeinflusst der Geruchssinn unsere Lebensqualität enorm, auch, weil er eng mit dem Geschmackssinn verknüpft ist. Wer schlecht oder wenig riecht, schmeckt weniger intensiv und nuanciert. Dadurch leidet der Genuss am Essen. Generell haben wir – gerade auch durch Covid-19 – gesehen, in wie vielen Lebensbereichen wir unsere Nase einsetzen und uns auf sie, auf den „richtigen Riecher“, verlassen.

Ist der Geruchssinn durch eine psychische Erkrankung immer in Mitleidenschaft gezogen?
Carina Schlintl: Nein, aber: Ein beeinträchtigter Geruchssinn kann im Verlauf von Depressionen auftreten und wird als frühes Anzeichen für Demenzerkrankungen diskutiert. Meine Untersuchungen haben die Ergebnisse anderer Forschungsgruppen zum Teil bestätigt und erweitert. Zum Beispiel, dass bei Kindern mit einer Neigung zu trauriger Stimmung auch öfter Schwierigkeiten beim Unterscheiden von Gerüchen auftreten. Bei Erwachsenen, die sich Gerüche schlechter merken konnten, wurden vermehrt Defizite in bestimmten kognitiven Funktionen beobachtet. Zum Beispiel in der kognitiven Flexibilität, die uns hilft, uns und unser Verhalten gezielt an verschiedene Situationen anzupassen. 

Warum ist das so?
Carina Schlintl: 
Die genauen Hintergründe zu den Zusammenhängen zwischen Riechleistung und psychischen Erkrankungen müssen noch weiter erforscht werden. Festgestellt haben wir aber, dass Betroffene oft weniger Aufmerksamkeit auf ihre Sinneseindrücke legen, zum Beispiel, weil sie sich in ihre vier Wände zurückziehen. Dadurch dringt generell weniger sensorischer Input zu ihnen durch. Und das bringt wiederum eine geringere Empfindlichkeit dafür mit sich. Die gute Nachricht ist aber: Man kann den Geruchssinn in jedem Alter trainieren. Einerseits, wenn man ihn zum Beispiel durch eine Infektion vorübergehend verloren hat, andererseits auch nach dem Ende einer depressiven Episode.  

Sie haben mit dem Universitätskurs „Klinische Psychologie“ eine praxisorientierte, und durch das Doktorat eine wissenschaftliche Ausbildung in diesem Bereich. Beides haben Sie zur selben Zeit absolviert. Wie profitieren Sie durch diese besondere Kombination?
Carina Schlintl: 
Die Diagnostik, Behandlung und Erforschung von psychischen Erkrankungen ist ein weites Feld mit unglaublich vielen Möglichkeiten. Da braucht es beide Sichtweisen, die einander ergänzen und bereichern. So ist eine gute wissenschaftliche Basis die Voraussetzung für die Auswahl geeigneter Testverfahren und Interventionen. Wir brauchen aber auch praktische Kompetenzen, um klinisch-psychologische Erkenntnisse und Methoden erfolgreich in Therapien einzusetzen. Ich finde es toll, dass die Universität Graz diese Kombination für eine hochwertige Ausbildung von Klinischen PsychologInnen anbietet – übrigens als einzige öffentliche Hochschule Österreichs.

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