Entsprechend soziokultureller Theorien hat Sprache bzw. der Erwerb sprachlicher Fähigkeiten einen enormen transformativen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten des Kindes. Sie ist die Grundlage für höhere kognitive Funktionen. Darüber hinaus erfüllt Sprache vielfältige Funktionen im Lehr-Lern-Kontext. So sind die Prozesse der individuellen Wissenskonstruktion und -speicherung eng mit der kognitiven Verarbeitung sprachlicher Inhalte verbunden. Zudem verwenden Kinder Sprache, um ihr Verhalten und ihr Denken etwa beim Lösen komplexer Probleme zu regulieren. Schließlich stellt Sprache das primäre Werkzeug zur Vermittlung von Lerninhalten dar. Eine erfolgreiche Teilnahme an (schulischen) Lerngelegenheiten erfordert somit gut entwickelte individuelle sprachliche Kompetenzen. Tatsächlich wird Sprache regelmäßig als zentrale Ressource diskutiert, wenn es um die Identifikation bedeutender Fähigkeiten für die schulische und akademische Entwicklung geht.
Vor diesem Hintergrund möchte ich in meinem Beitrag eine Reihe von Studien vorstellen, welche einerseits das Zusammenspiel von Sprache und kognitiver Entwicklung fokussieren sowie die zugrunde liegenden Wirkmechanismen identifizieren und anderseits die Implikationen der grundlagenwissenschaftlichen Befunde für schulisches Lernen untersuchen. Dabei werden etwa Arbeiten zur linguistischen Relativität, zum zweisprachigen Mathematiklernen und zu den Auswirkungen mangelnder Sprachfähigkeiten auf inhaltliches Lernen und Problemlösen diskutiert.